Am 13.Juni versammelten sich am frühen Abend rund 150 Personen in der City auf dem Rostocker Uniplatz. Anlass war das 1jährige Bestehen eines Naziladens in dem als alternativ geltenden Viertel Kröpeliner Tor Vorstadt. Mit Transparenten und Parolen wurde schließlich gegen 18 Uhr zunächst durch die Kröpeliner Straße, Lange Straße über den Doberaner Platz in die Doberaner Straße gezogen, in der sich der inzwischen auf „Dickkoep“ umbenannte Laden befindet. Dieser hatte mit seinem Besitzer de Vries im vergangenen Jahr mehrfach für Schlagzeilen gesorgt, als antifaschistisch gesinnte Personen durch zahlreiche friedliche und militante Aktionen, deren bisheriger Höhepunkt ein massiver Einsatz von Buttersäure war, ihrem Unmut wegen dem Laden Ausdruck verliehen. Eben jener Buttersäureeinsatz führte zu einer rund 2monatigen Schließung des Ladens, sodass der damalige Besitzer de Vries vergeblich versuchte einen Online-Shop auf zu bauen. Inzwischen musste de Vries den Laden aus wirtschaftlichen Gründen an den NPD-Landtagsabgeordneten Birger Lüssow abtreten, weshalb dieser von „East Coast Corner“ in „Dickkoep“ umbenannt wurde. Als die Demonstration vor dem rechtsradikalen Geschäft angekommen war, provozierten rund 20 anwesende Faschisten aus den Geschäftsräumen heraus und versuchten die Demonstrant_Innen ab zu fotografieren. Zu diesem Zeitpunkt musste die Polizei den Laden wieder einmal mit einem Großaufgebot schützen um schwerere Auseinandersetzungen zu verhindern. Der Aufzug wurde wenig später schließlich am Denkmal für die revolutionären Matrosen am Rostocker Stadthafen beendet. Erneut bewiesen die Regierenden der Hansestadt Rostock, dass das Eintreten gegen Rechtsradikalismus für sie nur ein Lippenbekenntnis ist und sicherten den Laden erneut mit einer Vielzahl von eingesetzten Polizeibeamt_Innen. Konsequenter Antifaschismus sieht anders aus!
limo.blogsport.de
Deutschlandfahnen soweit die Augen reichen. Ob am Mercedes oder Trabbi. Die Rostocker_Innen verbindet die Tage wieder ein inniges Gefühl. Ihr Nationalbewußtsein. Alle miteinander haben sich lieb und so sitzen Harz4-Empfänger_In und Top-Verdiener_In nebeneinander in der Kneipe und kämpfen zusammen mit der Nationalelf ihren geistigen Kampf um den EM-Pokal. Aber löst dieses Happening, das ähnlich wie die WM 2006 gerade unseren Alltag aushebelt, tatsächlich die sozialen Gegensätze auf? Ziehen Arm und Reich nach dem Sportspaß wieder an einem Strang? Oder bedient das von tagespolitischen Entscheidungen ablenkende Großereignis, dass das Konstrukt der Nation festigen soll, vielleicht nur die Illusion einer Volksgemeinschaft?
Eine interessante Positionierung fanden wir in dem folgenden Artikel:
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Wie es sich schon in der vergangenen Zeit abgezeichnet hat, haben die beiden ehemaligen Besitzer des „East Coast Corners“ Klebe und de Vries einfachen keinen Bock mehr auf ihr „Nationales Bekleidungsgeschäft“. Somit scheinen wohl die Aktionen der Antifa Rostock, ob militant oder nicht, ihre Wirkung zu zeigen. Nun hat Birger Lissow den Laden in der Doberaner Straße übernommen und will diesen weiterführen. Der NPD Landtagsabgeordnete hat nun den unter starker Kritik stehenden Namen „East Coast Corner“ in „Dickkoepp“ umbenannt und hofft so auf mehr Unterstützung durch die lokale Nazi-Szene. Zwar kann dieser Geschäftsführer- und Namenwechsel als Etappensieg verzeichnet werden, bedeutet aber nicht, dass nun Ruhe um den Nazi-Laden einkehrt!
Mehr auf:
http://de.indymedia.org/2008/06/219077.shtml
Liebe Antifaschisten und Innen,
wie euch sicher aufgefallen ist werden wir in letzter Zeit von der brauen Masse überschwemmt. Und während es in den Großstädten noch ansatzweise gelingt diesem Prozeß entgegenzuwirken breiten sich auf dem Land und in Kleinstädten zusehends klare Nazistrukturen aus. Die hier, ungeachtet von der Allgemeinheit, die Basis für ihre menschenverachtenden Ansichten schaffen können.
Deshalb ist es wichtig auch fernab der Großstädte mit solidarischen Aktionen den Protest auferstehen zu lassen. In diesem Sinne planen wir einen antifaschistischen Aktionstag um diesen Protest auch in die Straßen von Güstrow zu tragen.
Dieser soll am 24.05.2008 stattfinden. Wir starten mit einer lautstarken Demo durch die Güstrower Innenstadt um 11 Uhr am Güstrower Bahnhof anschließend, ca. 16.30 Uhr, soll es ein Seminar zum Thema „NPD und freie Kameradschaften in MV“ geben.
Wir würden uns freuen euch am 24.05. mit möglichst vielen Menschen begrüßen zu können und hoffen auf eure solidarische Unterstützung.
Aktionisten und Innen aus Güstrow
Am Dienstag wurde auf dem rechtsextremen Infoportal Altermedia berichtet, dass der ehemalige Inhaber des East Coast Corner Thorsten de Vries aufgrund eines Konflikts mit seinem ehemaligem Geschäftspartner und Kameraden Thorben Klebe nun endgültig aus dem ECC „verbannt“ wurde. Angeblich hat dieser nun Hausverbot und drohte Klebe bei einem erneuten Treffen mit Gewaltexzessen. Auf Grund dieser Ereignisse ist es naheliegend, dass der weiteren Existenz des rechtsextremen Szene-Ladens durch die Streitigkeiten seiner Besitzer ein baldiges Ende bereitet werden könnte. Doch diese Streitigkeiten sind nicht nur der Verdienst interner Konflikte. Sie sind auch Verdienst der Rostocker linken Szene, die mit einer Vielzahl von teilweise bunten und kreativen, aber auch militanten Aktionen dem Nazi-Laden und dessen Besitzern das Leben schwer gemacht hat.
Doch dies bedeutet keineswegs, dass der Kampf gegen die rechte Szene gewonnen wäre. Nein! Aber das ist ein wichtiger Etappensieg zum nazifreien Rostock. Doch auch wenn dem ECC das Ende bevorsteht, heißt dies noch lange nicht, dass Rostock rein ist von nationalistischen Gedankengut und Rassismus!
Das bevorstehende Ende des ECC sollte zudem keineswegs ein Grund dafür sein, sich zurückzulehnen und sich in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Vielmehr sollte es uns neuen Mut und Kraft geben, dem Nazi-Terror und dem staatlichem Rassismus ein Ende zu setzten! In diesem Sinne verschönerten in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch Unbekannte den Nazi Laden mit einem unverkennbaren und kreativem Slogan: “ Das Viertel ist sich einig, Nazis werden gesteinigt!“

Am Donnerstag, dem 8.Mai 2008, wurde in ganz Rostock der Befreiung vom Naziregime und der Beendigung des Krieges gedacht. Ab 17.00 wurde von der VVN-BDA und der jüdischen Gemeinde eine Veranstaltung auf dem Ehrenfriedhof für Soldaten der Sowjetarmee organisiert, welche zahlreich besucht wurde. Abends fanden sich ca. 100 Antifaschisten am Kröpeliner Tor ein, um mit einer spontanen Demonstration durch die Innenstadt die Befreiung zu feiern.
Gestartet wurde in der Kröpeliner Straße. Von dort aus ging es über den Neuen Markt und der Langen Straße zum Doberaner Platz. Nach dem Weg über den Magarethenplatz zum Naziladen, wurde die Demonstration auf dem Doberaner Platz beendet. Als die Demo auf der Doberaner Straße an einer leerstehenden Schnapsfabrik vorbeizog, wurde feierlich ein Transparent mit der Aufschrift “8.Mai 1945…Wer nicht feiert hat verloren!” entfaltet. Die überraschte Polizei begleitete die Demonstration ab dem Neuen Markt mit einem Mannschaftswagen und war an Brennpunkten wie dem NaziLaden mit jeweils 20 Mann vertreten. Es blieb jedoch alles friedlich.
Alles im allen konnte es geschafft werden über Flyer und Redebeiträge Inhalte an die zahlreichen Passanten zu vermitteln und trotzdem auch den Nazis zu zeigen: Wir sind da!